Perspektiven Finanzmärkte: umfassende Berichte über die neuesten Entwicklungen auf den Finanzmärkten und detaillierte Analyse globaler Trends und Marktentwicklungen.
Staatsanleihen: Iberische Halbinsel schlägt Frankreich
Der Zinsaufschlag (Spread) auf die Renditen deutscher Bundesanleihen ist ein Schlüsselindikator für das Kreditrisiko von Staaten, deren fiskalische Nachhaltigkeit und politische Stabilität sowie für das Risiko einer Fragmentierung im Euroraum. Bundesanleihen gelten wegen der immer noch starken Haushaltslage und des liquiden Anleihenmarktes als risikolose Benchmark in der Region.
Trotz höherer Staatsverschuldung in vielen Ländern ist das Risiko einer Fragmentierung im Euroraum deutlich geringer als während der Schuldenkrise 2011/2012. Dies spiegelt starke Auffangnetze der EZB, grösseres Vertrauen in den Euro und besser kapitalisierte Banken wider. Dennoch reagierten die Märkte empfindlich auf die Verschlechterung des französischen Staatshaushalts und Italiens hohe Schuldenlast.
Die entsprechende Ausweitung der Spreads weist darauf hin, dass sich die Besorgnis von der Fragmentierung auf Themen wie Schuldenquoten, alternde Bevölkerungen und die Bereitschaft der Regierungen zur Konsolidierung der Staatsfinanzen verlagert hat. Entsprechend sind wir für den nächsten Monat bei den Renditen 2- und 10-jähriger Staatsanleihen in den USA, der Eurozone und der Schweiz neutral.
Bei Firmenanleihen werden unterstützende technische und Fundamentaldaten durch enge Spreads kompensiert. Gleichzeitig bleiben die Risiken hoch (geopolitische Spannungen, volatile Energiepreise und Zinsen sowie höhere Spreads bei gewissen Staatsanleihen). Wir sind bei IG-Spreads neutral, erwarten aber eine Ausweitung der HY-Spreads.